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(Peri)Menopause: Wenn die Hormone um 3 Uhr morgens Party machen und deine Seele ein neues Leben will

2. Okt.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 9. Okt.


Erschöpfung ohne erkennbaren Grund. Aufwachen mit diffuser ängstlicher Unruhe um drei Uhr morgens. Oder endlich Klarheit über eine unausgewogene Partnerschaft.


Willkommen in der Perimenopause, der Übergangsphase vor der Menopause. Sie kann mehrere Jahre dauern und beginnt bei manchen Frauen bereits in den späten 30ern oder frühen 40ern. Manche Frauen erleben starke Beschwerden, andere kaum welche.


Perimenopause und Menopause sind nicht nur hormonelle Umstellungen. Sie sind Wendepunkte, an denen Teile unserer Identität oft abfallen und nicht mehr zu uns passen. Körperliche Veränderungen treffen auf eine Lebensphase, in der viele von uns beginnen, Bilanz zu ziehen. Sogar unsere Kleidung kann sich anfühlen, als gehöre sie zu einer anderen Version von uns. Du fragst dich vielleicht: Wie bin ich hier gelandet? Wie konnte ich mich unterwegs so verlieren?


Was ist mit den Frauen passiert, die einst selbstbewusst, kreativ und lebendig waren? Denjenigen, die ihren Führerschein mit 18 in der Tasche hatten, mit 20 ihr erstes Gehalt verdienten, mit 21 in ihre erste eigene Wohnung zogen. Die mit dem Bleistift Kassettentapes retteten und von Mitternacht bis in die Morgenstunden in Schwulen-Clubs zu House tanzten, weil dort endlich Freiheit und Authentizität spürbar waren. Sie gingen zum Tanzen hin, nicht um angebaggert zu werden. Die Frauen, die von Kindheit an vielleicht schon viel zu früh Verantwortung übernommen hat. Die alleine reisten, das Ausland suchten, Szenen und Subkulturen erkundeten, die Welt im Herzen trugen und immer schon eine Ahnung davon hatten, dass ihr Leben grösser sein müsste, als man es ihnen seit der Grundschule beigebracht hatte. Frauen, die träumten, einfach loszogen, arbeiteten, lebten. Alles ohne Handy, GPS und Internet – ausgestattet nur mit Intuition, gesundem Menschenverstand und einem Anrufbeantworter am Festnetztelefon.


Unsere Generation – die 70er-Mädchen, 80er-Diven und 90er-Entdeckerinnen – lernte, alles zu sein: Berufstätige und Karrierefrau mit beispielloser Arbeitsmoral, perfekte Partnerin, Multitasking-Mutter, emotional intelligent, spirituell erwacht, umweltbewusst, endlos geduldig und mühelos schön. Und das alles, während sie Geburtstage erinnerte, sich die Beine wachste, meditierte und darauf achtete, Bio-Lebensmittel zu kaufen.


Kein Wunder, dass manche von uns irgendwann dasitzen und denken: Moment mal. Wer genau hat eigentlich beschlossen, dass ich für all das zuständig bin?


Oft wurden sie zur Geschäftsführerin ihrer Familien – sie trugen die mentale Last, die emotionale Last und manchmal sogar die finanzielle Last. Manche übernahmen über Jahre Aufgaben, Verantwortung und emotionale Arbeit, die in einer Partnerschaft eigentlich von zwei Menschen getragen werden sollten. Drei Dinge auf einmal – das geht nun wirklich nicht. Das wusste sogar die Kinderüberraschungseier-Werbung Anfang der 90er.


Was dabei in einer Partnerschaft geschieht, ist von Paar zu Paar verschieden. Aber wenn eine Frau beginnt, ihre eigenen Bedürfnisse, Grenzen und Wünsche wieder deutlicher wahrzunehmen, kann sichtbar werden, was alles sie bisher getragen, ausgeglichen oder am Laufen gehalten hat.


Und genau darin kann die Lebensmitte unbequem werden. Weil plötzlich einiges, das lange funktioniert hat, nicht mehr funktioniert. Oder weil wir nicht mehr bereit sind, denselben Preis dafür zu bezahlen. Vielleicht haben wir lange erklärt, ausgeglichen, organisiert, vermittelt, gewartet oder Potential gesehen. Womöglich haben wir hervorragend funktioniert und dabei kaum bemerkt, wie weit wir uns von uns selbst entfernt hatten.


Diese Generation von Frauen hat genug gelebt, genug geweint, sich genug angepasst und genug dunkle Seelennächte durchstanden, um irgendwann vielleicht zu sagen: Ich bin bereit, mich selbst zu wählen. Ihre Toleranz schrumpft. Ihr Wunsch nach Authentizität wächst. Dann meldet sich tatsächlich die Seele, die sagt: „Dieses nächste Kapitel muss mir gehören.“


Natürlich muss mit 50 kein komplett neues Leben beginnen. Dennoch erscheint die verbleibende Lebenszeit nicht mehr ganz so theoretisch wie mit 25. Und das kann einiges in Bewegung bringen.


Klärung scheint unausweichlich. Was möchte ich eigentlich noch erleben? Was möchte ich nicht mehr tragen? Welche Beziehungen nähren mich tatsächlich? Wo funktioniere ich nur noch? Was weiss ich längst und überschreibe es immer wieder? Und was möchte durch mich noch gelebt werden?


Die Wechseljahre beantworten diese Fragen nicht automatisch. Hormone sind keine spirituellen Orakel. Aber diese Lebensphase kann ein Spürbewusstsein wecken, in dem solche Fragen – und vor allem das innere Wissen – schwerer zu ignorieren sind. Und vielleicht liegt darin tatsächlich etwas Initiatorisches. Nicht für jede Frau und nicht auf dieselbe Weise. Aber für manche Frauen kommt mit dem körperlichen Wandel auch ein umfassender Lebenswandel.


Bist du eine von ihnen?


Vielleicht wachst du nachts um drei auf, weil deine Hormone Party machen. Vielleicht ist da aber auch etwas in deinem Leben, das endlich deine Aufmerksamkeit will. Und vielleicht ist es beides.


Die Wechseljahre können eine ziemlich gute Gelegenheit sein, dich wieder ernst zu nehmen. Und zu prüfen, wie das nächste Kapitel deines Lebens aussehen könnte – oder vielmehr aussehen muss, wenn du dir selbst treu bleiben möchtest.



Original Publikation: 25. November 2025 für Atelier Ananda

Revision: 29. September 2026



 
 
 

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