Verstand kontrollieren?
Aktualisiert: 4. Okt.

Es hat sich mir diese Tage mehrfach in verschiedenen Gesprächen und Korrespondenzen gezeigt, dass es einen scheinbar unausrottbaren Mythos in Bezug auf unser Verhältnis zum Verstand gibt – verstärkt durch offensichtliche Missverständnisse in einigen Yoga- und Meditationskreisen.
Viele meinen, wir müssten unseren Verstand kontrollieren. Dass, wenn wir nur hart genug an uns arbeiten, unser Verstand unter Kontrolle gebracht werden könne, und somit dann auch unser Glück gesichert sei.
Genau das aber geht gar nicht. Und das ist auch nicht das Ziel spiritueller Praxis.
Die richtige Haltung ist: Lass den Verstand Dir präsentieren, was „er“ will, versuch nicht, ihn zu kontrollieren, sondern kontrollier stattdessen, wie Du mit seinem Input umgehst! Denn, auch wenn wir nicht immer wählen können, welche Gedanken, Gefühle oder Stimmungen auftauchen, haben wir die Möglichkeit zu wählen, wie wir mit ihnen umgehen.
Gedanken, Gefühle und Stimmungen kommen und gehen. Sie sind wie Wolken. Du aber bist der Himmel.

Unser Verstand ist ein nützliches Werkzeug und nicht unser Feind. Sich selbst überlassen, ist er allerdings eine Art übersinnlicher Schwamm, der ungefiltert alles Mögliche aus unseren familiären und kollektiven Feldern aufnimmt. Und das wir oft unhinterfragt lassen.
Was auch immer Dein Mind Dir an Gedanken präsentiert – meist sind es ja Bewertungen, Zweifel, Ängste, Erinnerungen, Befürchtungen oder destruktive Kommentare – lass sie zu und lass sie ziehen – beobachte, aber hafte nicht an. Wirf keinen Anker und gib keine Energie hinein, um womöglich eine Geschichte draus zu machen. Lass innerlich bewusst ab und schau, was tatsächlich Deine Aufmerksamkeit verdient. Nicht jeder Gedanke ist wahr, nicht jedes Gefühl eine Handlungsanweisung und nicht jeder innere Impuls muss verfolgt werden.
Du kannst Deinen Verstand nicht kontrollieren, wohl aber Deinen Umgang mit dem was er an Impulsen, Launen und Allüren so ausgibt.
Und ich erlebe, dass sich durch Sadhana, Energiearbeit und andere Formen innerer Arbeit durchaus etwas verändert: Wir müssen nicht jedem Gedanken dieselbe Bedeutung geben. Wir können klarer wahrnehmen, was gerade in uns geschieht, ohne uns automatisch damit zu identifizieren oder daraus eine Geschichte zu machen.
Das war’s schon für heute. Namasté.

Alle Fotos © Marina
Originalartikel, erste Veröffentlichung: 3. August 2015 für Atelier Ananda



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