Gute Kämpfer müssen gute Tänzer sein
Aktualisiert: 9. Okt.

Wie wir empfangen, geboren, getragen und erzogen wurden, prägt uns weit über die Kindheit hinaus.
Schmerzhafte oder traumatische Erfahrungen in diesen prägenden Jahren beeinflussen, wie wir uns selbst und andere wahrnehmen, wie wir Beziehungen gestalten und wie wir später mit Angst, Konflikten oder Nähe umgehen. Begrenzende Glaubenssätze und Konditionierungen, die wir nicht erkennen oder anschauen, können wir unbewusst weitertragen – in unsere Beziehungen, unsere Familien, unsere Arbeit und überall dorthin, wo wir Einfluss auf andere Menschen haben.
Folgen nicht gerade idealer Kindheitserfahrungen können Minderwertigkeitsgefühle, Grandiosität und Selbstüberschätzung, Kontrollsucht, Sturheit, Rücksichtslosigkeit, Ansprüche und emotionale oder geistige Abwesenheit sein. Eigenschaften, die für andere irritierend, erschöpfend, verletzend und herzzerreißend sein können.
Wenn diese allerdings auf einer Weltbühne spielen oder mit grosser Macht und Verantwortung zusammentreffen, können ihre Auswirkungen weit über das persönliche Umfeld hinausreichen.
„Gib niemals ein Schwert einem Mann, der nicht tanzen kann.“ Dieser Satz wird häufig Konfuzius zugeschrieben.
Ich mag das Bild. Für mich bedeutet es, dass bevor wir jemandem ein Schwert in die Hand geben, klar sein sollte, ob er gelernt hat, das Leben wertzuschätzen – ob er zu leben, in Körper und Kopf fit und beweglich zu sein und zu „tanzen“ versteht, ob er zu Beziehung statt bloßer Durchsetzung fähig ist und ob er auf etwas ausserhalb seiner selbst reagieren kann. Es bedeutet auch, dass Menschen keine Schwerter erhalten sollten, bevor sie nicht gelernt haben, ihre eigene Lebendigkeit sowie das Leben in jedem Wesen, Mensch, Tier und Element zu schätzen.
Egal ob in Führungspositionen oder auf der Strasse, ich wünsche mir Entscheidungsträger und Mitmenschen, die ihre innere Hausarbeit gemacht haben – die genug Selbstwahrnehmung haben und ihre eigenen Schwächen, Verletzungen und Ängste zumindest so weit kennen, dass sie sie nicht unbewusst und ungeprüft auf andere projizieren. Und die mit Macht und mächtigen Werkzeugen auf einer Basis von Unterscheidungsvermögen, Weisheit und Integrität umgehen.
Die Kostbarkeit des Lebens anerkennen. Vielleicht sollte das die Voraussetzung für das Schwert sein.
Gib niemals ein Schwert einem Mann, der nicht tanzen kann.

Original Publikation: 4. September 2020 für Atelier Ananda
Revision: 01. Oktober 2026



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